DIE WELT MIT ANDEREN AUGEN SEHEN.

Der allgemein gängigen Definition entsprechend umfasst das akademische Fach Kunstgeschichte die Geschichte der bildenden Kunst und Architektur des Abendlands vom frühen Mittelalter (etwa 800 n.Chr.) bis zur Gegenwart. Die Kunst- und Kulturdenkmale aus der Zeit vor dem frühen Mittelalter fallen in die Zuständigkeit der Archäologie (Vor- und Frühgeschichte, klassische Archäologie, frühchristliche Archäologie). Neben der abendländischen bildet die byzantinische Kunstgeschichte ein eigenes akademisches Fach. Außerdem gibt es die außereuropäische, beispielsweise die indische oder ostasiatische Kunstgeschichte.

 

In den vergangenen Jahren sind die Grenzen der Kunstgeschichte zu Nachbardisziplinen immer durchlässiger geworden. Sie sind längst nicht mehr überall eindeutig zu bestimmen. Insbesondere die Kulturgeschichte hat viele gemeinsame Fragestellungen mit dem Fach Kunstgeschichte entwickelt, die Kunstgeschichte reicht zwangsläufig tief in kulturwissenschaftliche Zusammenhänge hinein. Andererseits gibt es genuin kunsthistorische Themen, die nicht nur Monumente betreffen – die Kunstwerke –, sondern auch Methodiken, die notwendiges Handwerkszeug für hochqualifizierte, kunstwissenschaftliche Arbeit sind und explizit die kunstwissenschaftliche Herangehensweise an historische oder zeitgenössische Gegenstände kennzeichnen (z.B. die Stilgeschichte).

 

Das Studienfach Kunstgeschichte schließt nicht das Erlernen künstlerischer Techniken ein, auch wenn deren Beherrschung für die wissenschaftliche Arbeit von großem Nutzen sein kann.

 

Die Gattungen der Kunst, die im Fach Kunstgeschichte behandelt werden, sind: Architektur, Malerei, Skulptur, Graphik und das so genannte Kunstgewerbe, zu dem u.a. Gold-schmiedekunst gehört. In jüngster Zeit treten außerdem neue Gattungen wie Fotografie, Film, Video und neue elektronische Medien zu den angestammten Gattungen der Kunstgeschichte hinzu. Außerdem beschäftigt sich die Kunstgeschichte mit Kunsttheorie(n). In jüngster Zeit entwickelt sich die so genannte Bildwissenschaft zu einer eigenständigen Disziplin, die je nach Kontext der Kunstgeschichte hinzugerechnet oder von ihr abgekoppelt wird. Gewöhnlich sind es – und sollten es sein – indessen Kunsthistoriker, die Bildwissenschaft betreiben.
Eher stiefmütterlich behandelt die Kunstgeschichte dagegen ihre eigene Geschichte: Die Literatur zur Geschichte der Kunstgeschichte ist noch immer ausgesprochen überschaubar, obwohl die Künstlergeschichte ganz am Beginn der Kunstgeschichte steht.