CHRONIK DER VICTOR-KLEMPERER-AKADEMIE

Frühjahrstrimester 2012

 

Auch in diesem Trimester liefen an unserer Akademie zwei Kurse:

 

Kurs 1

Trimesterthema: „Die Kunst der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts – Teil 3“.

 

Die Wahl dieses Trimesterthemas legte sich nahe, um die Beschäftigung mit der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts bis an dessen Ende führen zu können.

Am Beginn der Vorlesung stand die intensive Auseinandersetzung mit Joseph Beuys. Darauf waren wir durch einen Ausstellungsbesuch in Berlin im November 2011 hervorragend vorbereitet. Nun setzten wir uns in mehreren Sitzungen intensiv mit seinem Konzept der sozialen Plastik und seinem erweiterten Kunstbegriff auseinander. Für die meisten bedeutete dies eine vollkommen neue Sicht auf den „Spinner mit dem Hut“.

In der zweiten Trimesterhälfte stand die Postmoderne im Mittelpunkt, zunächst als v.a. deutsche Spurensuche und Vergangenheitsbewältigung, dann als Phänomen der Architektur, beispielsweise mit dem Projekt des Kulturforums in Berlin als Fokus.

Und ganz am Ende stand der Versuch, das gesamte, drei Jahre dauernde Studium und damit 1200 Jahre Kunstgeschichte in 90 Minuten revuepassieren zu lassen.

 

Mit den Seminar-Referaten bestand für die Studierenden wiederum die Möglichkeit, die thematischen Schwerpunkte individuell zu setzen; zu folgenden Themen wurden Referate gehalten:

  • Gerhard Richter
  • Yves Klein
  • Richard Rogers/Renzo Piano, Das Centre Pompidou in Paris
  • Axel Schultes/Charlotte Frank, Das Bundeskanzleramt in Berlin

Zentrale Bestandteile des Trimesters, die jeweils viel Vor- und Nachbereitung erforderten, waren die drei großen (eintägigen) Exkursionen, die wir gemacht haben:

  • Karlsruhe, Zentrum für Kunst und Medientechnologie: Ausstellung „The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989“
  • Weil am Rhein, Vitra-Werksanlagen
  • Stuttgart, Staatsgalerie: Ausstellung „Turner – Monet – Twombly. Later Paintings“

Dem Besuch dieser letzteren, ungewöhnlichen Ausstellung war eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk des erst kürzlich verstorbenen Cy Twombly vorausgegangen – eine Auseinandersetzung mit überraschenden Einsichten.

 

Darüber hinaus besuchten wir eine weitere Galerie in Freiburg und den Kunstverein Freiburg mit einer Ausstellung von Werken Alexander Heims („Bonnets Nouveaux“) und Walter Swennens („Garibaldi slept here“).

 



Kurs 2

Trimesterthema: „Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Realismus – Impressionismus“

 

Am Beginn des Trimesters stand die Einbettung des Themas in die Geschichte des 19. Jahrhunderts, die v.a. durch die Industrialisierung und die Entwicklung von Metropolen wie London, Paris und Berlin geprägt wurde. Immerhin waren es diese, die das künstlerische Leben und die soziale Stellung der Künstler entscheidend prägten.

Den einen Schwerpunkt des Trimesters bildete dann Gustave Courbet und der von ihm geprägte Realismus, den anderen Schwerpunkt bildete der Impressionismus mit den großen Malern des modernen Lebens Edouard Manet, Claude Monet und Paul Cézanne.

Sowohl das, was der „Realismus“ genannt wird, als auch der Impressionismus begegneten uns von ungewohnten Seiten – der eine u.a. in seiner Abgrenzung zum ‚Naturalismus’, der andere als die quasi physikalische Versuchsanordnung zur Anwendung neuartiger Optiktheorien in der Malerei.

Seminar-Referate wurden von den Teilnehmer/innen zu folgenden Themen gehalten:

  • Edouard Manet, Das Frühstück im Atelier
  • Claude Monets Malerei im Zusammenhang seines Gartens in Giverny
  • Honoré Daumier, Don Quixote
  • Arnold Böcklin, Die Toteninsel
  • Wilhelm Leibl, Drei Frauen in der Kirche
  • Adolph Menzel, Flötenkonzert in Sanssouci
  • Gustave Eiffel u.a., Der Eiffelturm
  • Auguste Rodin, Das Höllentor

Auch die Kurzexkursionen waren höchst spannend und führten uns über die unmittelbare Region hinaus: die erste führte nach Ornans ins erst kürzlich (wieder)eröffnete Musée Courbet. Hier war nicht zuletzt das Kennenlernen der Landschaft spannend, die in berühmten Werken Courbets wiederkehrt.

Die zweite Exkursion hatte ebenfalls die Ausstellung „Turner – Monet – Twombly“in der Staatsgalerie Stuttgart zum Ziel, wobei hier, anders als bei Kurs 1, der Schwerpunkt auf den Bildern Turners und Monets lag.

In den Übungen beider Kurse bildete die Erkenntnis den roten Faden, dass jene Methodik, die wir für vormoderne Kunst anwenden und die beispielsweise die möglichst eindeutige Identifizierung der Ikonographie der Kunstwerke voraussetzt – die von uns entwickelte Vier-Stufen-Methodik –, auf moderne Kunstwerke immer weniger anwendbar ist, je weiter man im 19. und schließlich 20. Jahrhundert voranschreitet. Das machte es erforderlich, in beiden Kursen an ganz neuen Methodiken zu arbeiten, die uns den Zugang auch zu modernen Kunstwerken ermöglichen, seien es solche, die keine konkreten Geschichten mehr erzählen, seien es abstrakte oder ungegenständliche Kunstwerke. Die Arbeit hieran gestaltete sich als eine echte, gemeinsame Projektarbeit und war ein ständiges, höchst spannendes Changieren zwischen der Entwicklung der Methodik und ihrer Erprobung.

 

 

Auch das Abendstudium Kunstgeschichte im Kunst-Palais Badenweiler ging in diesem Trimester weiter. In den beiden Veranstaltungen am 16.03. und 20.04. wurden vor allem künstlerischeMittel thematisiert. Wer die Kunst verstehen, sie nicht einfach nur passiv konsumieren und hinnehmen will, sollte wissen, welche Möglichkeiten die Künstler haben, um ihre Absichten zu verfolgen und deutlich zu machen. Diese Möglichkeiten kennenzulernen ist das Anliegen des „Abendstudiums“, das wir auch in Zukunft weiterverfolgen werden.

 

 

02. – 30. April 2012: vorlesungsfreie Zeit