CHRONIK DER VICTOR-KLEMPERER-AKADEMIE

Frühjahrstrimester 2011


Thema Kurs 1: „Die Kunst der Jahrhundertwende: Jugendstil – Expressionismus“

Thema Kurs 2: „Kunst und Architektur der Renaissance“

 

11. Januar 2011:

Für Kurs 1 beginnt das siebte Trimester. An diesem ersten Studientag führt die Vorlesung ein in die ausgesprochen vielseitigen Aspekte des Trimesterthemas, die sich kunstgeschichtlich u.a. in den Figuren der drei "Väter der Moderne" Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Paul Gauguin bündeln. Diese werden einen der Schwerpunkte des Trimesters bilden.

 

12. Januar 2011:

Für Kurs 2 ist dies das vierte Trimester. Die einleitende Vorlesung behandelt die unterschiedlichen Definitionen des Begriffs "Neuzeit" und richtet den Blick anschließend auf die Anfänge der italienischen Frührenaissance.

 

18. Januar 2011:

In Kurs 1 wird bereits das erste Referat gehalten. Es handelt von August Mackes Werken aus der Reihe Die Tunisreise.

 

19. Januar 2011:

In Kurs 2 geht es u.a. um den Humanismus und den Gedanken der Wiedergeburt der Antike im 15. Jahrhundert.

 

25. Januar 2011:

Kurs 1, Studientag 3: Die Vorlesung beschäftigt sich mit Merkmalen jener Kunst, die wir als 'modern' bezeichnen. Dies sind vor allem: Subjektivität, Originalität, Individualität, Authentizität und Offenheit. Diese Begriffe werden uns durch die drei Trimester dieses Jahres begleiten. – Im Referat wird ein Jugendstil-Thema behandelt: Gustav Klimts Beethovenfries im Secessionsgebäude in Wien.

 

26. Januar 2011:

Auch in Kurs 2 beginnt nun die Reihe der Referate. Das erste behandelt Lorenzo Ghibertis Paradiestür am Baptisterium in Florenz.

 

27. Januar 2011:

Die erste Kurzexkursion des Trimesters führt den Kurs 1 ins Kunstmuseum in Basel, wo wir intensiv die Originale der Impressionisten und Expressionisten, besonders von Cézanne, van Gogh, Camille Pissarro und Claude Monet, studieren. Einen Höhepunkt für alle bildet das Selbstporträt van Goghs vor der japanischen Tapete – das Selbstporträt mit den grünen Augen und dem lodernden Bart, wie wir es unter uns nennen.

 

1. Februar 2011:

Der vierte Studientag findet wieder einmal im Augustinermuseum in Freiburg statt. Für den ersten Kurs steht nun kurzfristig der Jugendstil auf dem Programm. – Das Referat handelt von Max Beckmanns Die Nacht, entstanden 1918/19.

 

2. Februar 2011:

Auch der Studientag des zweiten Kurses findet im Augustinermuseum statt. Hier geht es inhaltlich um den Beginn der Renaissance-Kunst: um Künstler, Kunsttheorie und Kunstbegriff im italienischen Quattrocento. Das Referat handelt entsprechend von Leon Battista Albertis Palazzo Medici in Florenz.

 

3. Februar 2011:

An diesem Tag führt Kurs 2 die erste Kurzexkursion dieses Trimesters durch. Sie hat die Kunsthalle in Karlsruhe mit ihrer Sammlung von Werken der deutschen Renaissance zum Ziel, darunter eine der berühmten Kreuzigungen Grünewalds.

 

 

8. Februar 2011:

Kurs 1, Studientag 5 – diesmal im Waldhof in Littenweiler. Als Referat hat sich eine Teilnehmerin ein Bild von Edvard Munch ausgesucht, das sie im vergangenen Jahr bei einem Aufenthalt in Oslo gesehen hatte.

 

9. Februar 2011:

Im zweiten Kurs steht das Konzept Umberto Ecos zur Geschichte der Schönheit auf dem Programm, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedoch wenig überzeugt.

 

11. Februar 2011:

Im ehemaligen Großherzoglichen Palais in Badenweiler, dem jetzigen Kunst-Palais, findet die erste Veranstaltung der Reihe "Kunst verstehen" in diesem Jahr statt. Dieser 'Abendkurs Kunstgeschichte', der von 18 bis 21.30 Uhr stattfindet, steht für die nächste Zeit unter dem Thema "Form – Aspekte der Beschreibung von Kunst". Die Reihe wird wie schon im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit von "KunstPalais Badenweiler e.V." und der Victor-Klemperer-Akademie gemeinsam durchgeführt.

 

15. Februar 2011:

Kurs 1, Studientag 6. In der Vorlesung geht es u.a. um den wohl dramatischsten Moment im Leben Vincent van Goghs: das Scheitern seines Projekts eines 'Ateliers des Südens' in Arles gemeinsam mit Paul Gauguin. – Das Referat im Seminar handelt von Franz Marcs 1912 entstandenem Gemälde Die kleinen gelben Pferde.

 

16. Februar 2011:

Kurs 2, Studientag 6. Die Vorlesung ist Masaccio, dem bedeutendsten Maler des frühen Quattrocento, gewidmet, der u.a. den Zinsgroschen in der Brancacci-Kapelle der Kirche Santa Maria del Carmine in Florenz gemalt hat. Er bietet Gelegenheit, neben der Perspektive auch die ausgefeilte Komposition zu untersuchen. – Das Referat ist einem der größten Maler der italienischen Hochrenaissance und einem der berühmtesten Bilder der europäischen Kunstgeschichte gewidmet: Leonardo da Vinci und seiner Gioconda. Es wird deutlich, dass die Tiefgründigkeit dieses großartigen Bildes weit über das Lächeln der dargestellten Frau hinausgeht und tief in Leonardos Vorstellungen von Malerei bzw. Kunst hineinreichen.



 

 

22. Februar 2011:

Kurs 1: Die Vorlesung stellt u.a. eine Deutung von Van Goghs Sternennacht vor. Das Bild wird oft als Ausdruck des Wahnsinns des Künstlers verstanden. Bei genauem Hinsehen jedoch wird ein überraschender Sinn hinter den scheinbar so willkürlichen Formen deutlich – bei dem sogar der Eiffelturm eine Rolle spielt. – Das Referat dient der Vorbereitung auf unsere Kurzexkursion am 24. Februar und hat das Werk Alexej Jawlenskys zum Thema.

 

23. Februar 2011:

Kurs 2: Mit Andrea Palladios Teatro olimpico in Vicenza greift die Referentin schon auf das Ende des Trimesters und den Beginn des neuen Trimesters voraus.

 

24. Februar 2011:

Diese Kurzexkursion des Kurses 1 führt zu einer Dame nach Freiburg, die eine umfangreiche Sammlung von Bildern Alexej Jawlenskys besitzt. – Der Blick des Sammlers auf seine Kunstwerke, das wird uns anlässlich dieses Besuchs deutlich, ist ein anderer als der des Kunsthistorikers oder des reinen Kunstliebhabers. Für den Sammler stellen sich andere Fragen, und sein Umgang mit den von ihm zusammengetragenen Werken hat Auswirkungen auf die Rezeptionsgeschichte. Wenn er einem ursprünglich unbetitelten Werk selbst einen Namen gibt und es von nun an unter diesem Titel verleiht, schafft er sogar Fakten, die als solche gelegentlich unhinterfragt in die Wissenschaft eingehen.

Für uns war es ein besonderes Erlebnis, diese andere Sicht und den anderen Umgang mit den Werken der Kunst kennenzulernen.



 

 

1. März 2011:

Die beiden Studientage am 1. und 2. März finden wiederum im Augustinermuseum statt. – In Kurs 1 steht während dieser Vorlesung Paul Gauguin im Mittelpunkt, v.a. seine bäuerlichen Themen und die Werke, die er während oder nach seinen Reisen in die Südsee schuf. – Thema des Referats ist Ernst Barlachs Skulptur Der Flüchtling, entstanden 1920.

 

2. März 2011:

Mit Sandro Botticellis monumentalem Gemälde Primavera (Der Frühling), welches das Referat vorstellt, nähert sich Kurs 2 inhaltlich der Schwelle zur italienischen Hochrenaissance.

 

3. März 2011:

Kurs 2: Kurzexkursion ins Kunstmuseum Basel. Wir studieren Gemälde v.a. von Grünewald und Lucas Cranach sowie frühe Porträts.

 

8. März 2011:

Kurs 1, Studientag 9: Die Vorlesung beschäftigt sich mit dem für das 20. Jahrhundert ausgesprochen wichtigen Thema des so genannten Primitiven in der Kunst bzw. dem 'Primitivismus' am Beginn des 20. Jahrhunderts. – Die letzten beiden Referate des Trimesters beschäftigen sich mit Architektur, an diesem Tag mit dem von Walter Gropius und Adolf Mayer errichteten Faguswerk in Alfeld an der Leine, gewissermaßen dem 'Gründungsbau' der modernen Architektur in Deutschland, möglicherweise sogar darüber hinaus. In jedem Fall erwies er sich als "wegweisend für die konstruktive und ästhetische Entwicklung des Neuen Bauens", wie Anna Minta es 2006 formulierte.



 

 

9. März 2011:

Kurs 2: Während die Vorlesung sich mit dem Neuplatonismus und dem Künstlerselbstverständnis am Beginn des 16. Jahrhunderts beschäftigt, das sich u.a. in Albrecht Dürers Meisterstich Melencolia I äußert, handelt das Referat im Seminar von Dürers Vier Aposteln in der Alten Pinakothek in München.

 

11. März 2011:

Zweite Sitzung im Kunst-Palais Badenweiler in diesem Jahr im Rahmen des Abendkurses „Kunst verstehen“. Diesmal steht im Mittelpunkt Vincent van Gogh und seine Malweise, die viel sorgfältiger und durchdachter war, als es gemeinhin angenommen wird.

 

15. März 2011:

Kurs 1, Studientag 10: Als zweites Architekturthema behandelt das Referat an diesem Studientag das Bauhaus-Gebäude in Dessau, während sich die Vorlesung mit Picassos berühmtem Gemälde Les Demoiselles d’Avignon von 1907/08 beschäftigt.

 

16. März 2011:

Kurs 2, Studientag 10: Die Vorlesung beschäftigt sich mit Leonardos Abendmahl in Mailand, seinem Bildnis einer Dame mit Hermelin und mit Michelangelos Pietà in Sankt Peter, das Seminar-Referat handelt von Raffaels Sixtinischer Madonna – allesamt Höhepunkte der italienischen Hochrenaissance.

 

 

18.–20. März 2011:     

Eine weitere Premiere: In Freiburg findet die Messe "Fit for Life" statt, eine Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit. Da es neben anderen Schwerpunkten ein "Forum Generation 50plus" gibt, ist auch die Victor-Klemperer-Akademie mit einem eigenen Stand vertreten. – Unser Stand wurde wiederum mit einfachen Mitteln, aber ausgesprochen schön von 'unseren' Graphikern Andree Kröger und Olaf Warburg von der Graphikagentur Kröger Kommunikation GmbH in Lünen bei Dortmund gestaltet. – Obwohl die meisten Messebesucher zu jung für ein "Forum 50plus" sind, ergeben sich zahlreiche Gespräche und interessante Kontakte.



 

 

 

21. März 2011:             

Die Trimester-Exkursion führt uns diesmal nach Paris. Mit dem Zug sind wir bereits mittags vor Ort und können beginnen. Während der Exkursion stehen zwei Schwerpunkte im Vordergrund: Gotische Architektur und Malerei des 19. Jahrhunderts, dem Trimesterthema entsprechend besonders die Impressionisten und Expressionisten. – Erste Station am Nachmittag ist Notre-Dame, anschließend die Sainte-Chapelle mit ihrem überwältigenden Charakter eines edelsteingeschmückten Schreins. Der abschließende Spaziergang führt am Louvre vorüber bis zur Place de la Concorde, jenem eher geschichtsträchtigen, als kunsthistorisch bedeutsamen Platz, der nicht zuletzt während der Französischen Revolution eine besonders wichtige Rolle gespielt hat.

 

22. März 2011:

Die beiden großen Programmpunkte dieses Tages sind das Musée d’Orsay und das Musée Rodin. In ersterem begegnen wir einer Reihe von Bildern, mit denen wir uns während der Lehrveranstaltungen bereits intensiv beschäftigt haben – beispielsweise Manets skandalösen Frühstück im Freien –, die jedoch im Original noch einmal eine ganz andere Wirkung entfalten. So ist es nicht selten bereits die Größe, die eine bestimmte Wirkung auf die zeitgenössischen Betrachter, von der uns die Quellen berichten, erst wirklich verständlich macht.

Im Garten des Musée Rodin begegnen wir neben dem Höllentor auch den Bürgern von Calais. Neben anderen Aspekten des Umgangs des Künstlers mit einem geschichtlichen Ereignis und dessen Umsetzung in Kunst legt es sich hier nahe, über den Aspekt des Sockels nachzudenken: Rodin hat die Figur (fast) auf die Erde gestellt, ohne sie durch einen Sockel in bedeutungsgeladene Höhe zu heben. Obwohl die Einzelfiguren leicht überlebensgroß sind, rücken sie dem Betrachter auf diese Weise doch so nahe, dass es ihm leichter fällt, eine Nähe zu ihnen zu empfinden oder sich bis zu einem gewissen Grad sogar mit ihnen zu identifizieren. Ein hoher Sockel dagegen stellt eher Distanz dar – dient der Apotheose.

23. März 2011:

Den ganzen dritten Tag unserer Exkursion verbringen wir im Louvre. Nach frühen italienischen Gemälden von Fra Angelico und Cimabue studieren wir besonders intensiv einige Werke Leonardos – nicht die Mona Lisa, denn sie ist von Hunderten von fotografierenden Touristen umlagert – und widmen uns ausführlich den großformatigen französischen Gemälden, darunter die Dantebarke von Delacroix, das Floß der Medusa von Géricault und der Schwur der Horazier von David. Nach der Mittagspause setzen wir unseren Weg fort, diesmal in den Abteilungen mit kleineren, französischen Werken u.a. von Corot, Géricault, Ingres, Delacroix und David. Anschließend führt unser Weg vorbei an ausgewählten Werke anderer Abteilungen und Künstler, so u.a. von Poussin und Lorrain, aber auch von Jan van Eyck, Jean Fouquet, an dem Porträt des französischen Königs Jean le Bon – wenn er es denn ist – und an Dürers Selbstporträt von 1493. – Für den späten Nachmittag steht noch die Besichtigung des Deutschen Forums für Kunstgeschichte/Centre Allemand d’Histoire de l’Art auf dem Programm, in dessen Bibliothek uns Mitarbeiter das Konzept des Forums darstellen.

 

24. März 2011:

Am Morgen dieses letzten Tags unserer Exkursion fahren wir mit der Métro zur ehemals vor den Toren von Paris gelegenen Königsabtei-Kirche in Saint-Denis, zu jener Kirche, in der von der älteren Forschung der 'Gründungsbau der Gotik' gesehen wurde. Ausnahmsweise unbehelligt von französischer Bürokratie, die uns zwischenzeitlich arg beschäftigt und einiges gekostet hat, und sogar unter erfolgreichem Einsatz unserer Studierendenausweise können wir in großer Ruhe den bedeutsamen Bau von außen und innen studieren und sogar in seine Krypta hinuntersteigen, wo die komplizierte Baugeschichte, die bis ins 4. Jahrhundert zurückreicht, gut nachzuvollziehen ist. – Am Nachmittag besuchen wir ein wenig besuchtes Museum außerhalb der Touristenstrecken: das Musée Gustave Moreau, einst Wohn- und Atelierhaus des Künstlers selbst. Hier sind die Werke in einem ganz anderen Kontext als dem eines Museums zu sehen.

Der Zug vom Gare de l’Est fährt mit enormer Verspätung ab, so dass wie unseren Anschluss in Karlsruhe verpassen. Irgendwann an diesem Abend aber sind alle wieder zu Hause.

 

 

29. März 2011:

Kurs 1: Der elfte und letzte Studientag dieses Trimesters beginnt mit der Vorlesung in der Katholischen Akademie in Freiburg mit einem Blick auf den Expressionismus in der deutschen Kunst und dem Versuch einer Zusammenfassung dieses Trimesters. Er wird am Nachmittag in Badenweiler fortgesetzt, wo wir zum Abschluss die Jugendstil-Villen "Hedwig" und "Siegle" besichtigen und es uns bei Kaffee, Waffeln und Kuchen gut gehen lassen.

 

30. März 2011:

Auch in Kurs 2 wird das Trimester mit einer Zusammenfassung abgeschlossen sowie mit einem epochenübergreifenden Referat über Alt- und Neu-St. Peter in Rom. Grundlage für das Referat ist Horst Bredekamps Buch über Sankt Peter in Rom und das Prinzip der produktiven Zerstörung. – Das Thema "Renaissance" ist damit jedoch noch nicht abgeschlossen, zumindest die Spätrenaissance wird im kommenden Trimester noch Thema sein.

 

04.–30. April 2011:

vorlesungsfreie Zeit

 

8. April 2011:

Dritte abendliche Sitzung im Kunst-Palais Badenweiler in diesem Jahr. Im Mittelpunkt steht Paul Gauguin.