CHRONIK DER VICTOR-KLEMPERER-AKADEMIE
FRÜHJAHRSTRIMESTER 2010
12. Januar 2010:
Beginn des Frühjahrstrimesters 2010. – Für den ersten Kurs ist dies der Beginn des vierten Trimesters. Thema dieses Trimesters werden Spätrenaissance bzw. Manierismus und die Kunst des Barock sein.
13. Januar 2010:
Informationstag zum neuen Kunstgeschichte-Kurs. Das Forum II in der Katholischen Akademie Freiburg ist mit ca. 30 Teilnehmern gut gefüllt. Die Atmosphäre ist angenehm, die Diskussion lebhaft. Unter Beteiligung einer Reihe von Studierenden des ersten Kurses werden der Studienalltag und das Programm für den neuen Kurs vorgestellt.
19. Januar 2010:
Zweiter Studientag des Kurses 1. Unter dem Thema "Manierismus" steigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ein Themengebiet ein, das für die meisten von ihnen noch weitgehend unbekannt ist. – Das erste Referat hat die Kirche Il Gesù in Rom zum Gegenstand.
20. Januar 2010:
Auch der neue Kurs nimmt seine reguläre Arbeit auf. Thema sind die Voraussetzungen für jene Kunst, die am Hof Karls des Großen die "Geburt des Abendlands" einzuleiten half.
26. Januar 2010:
Kurs 1: dritter Studientag. Das Referat im Seminar handelt von dem um 1533 entstandenen Gemälde Die Gesandten von Hans Holbein.
27. Januar 2010:
Dritter Studientag des Kurses 2.
28. Januar 2010:
Erste Kurzexkursion des Kurses 1. Ziel: das tief verschneite, ehemalige Kloster St. Peter im Schwarzwald. Der beste Kenner von dessen Geschichte, Prof. Dr. Hans-Otto Mühleisen, führt durch Kirche, Klostergebäude und die Bibliothek.
02. Februar 2010:
Vierter Studientag des Kurses 1. Referatsthema: El Greco, Kardinal Fernando Niño de Guevara. Das Bild ist um 1600 entstanden und gemeinhin bekannt unter dem Titel Der Großinquisitor. Die Referentin vertieft das Thema durch die Einspielung eines Auszugs aus Verdis Oper "Don Carlos".
03. Februar 2010:
Vierter Studientag des Kurses 2. Fortgang der Übungen in methodischer Bildbeschreibung.
04. Februar 2010:
Erste Kurzexkursion des zweiten Kurses; sie führt in das Unterlinden-Museum in Colmar. Hier werden in zwei Stunden vier Bilder betrachtet, beschrieben und analysiert, als Höhepunkt die Kreuzigungs- und die Auferstehungs-Darstellung des Isenheimer Altars.
09. Februar 2010:
Kurs 1: Fünfter Studientag. Referatsthema: Caravaggio, Der irdische Amor. – Im Anschluss an die Übung fährt die Gruppe nach Neustadt/Schwarzwald. Hier eröffnet einer der Studierenden, Günter Krüger, in der Helios-Klinik eine Ausstellung eigener Werke und führt selbst in diese Werke ein.
10. Februar 2010:
Kurs 2: Fünfter Studientag. Erste Schritte in der Beschreibung architektonischer Werke des Frühmittelalters.
11. Februar 2010:
Fünfzigster Todestag von Prof. Dr. Victor Klemperer. Die Victor-Klemperer-Akademie führt aus diesem Anlass am Abend eine Lesung durch. SWR-Sprecher Rudolf Guckelsberger trägt Passagen aus dem 1947 erschienenen Buch LTI – Notizbuch eines Philologen vor. Klemperer untersucht darin die Sprache des so genannten Dritten Reichs. Er spricht von ihr als dem "Gift der Sprache der Nazis", das umso schlimmer gewirkt habe, als sich die Menschen über die verheerende Wirkung nicht bewusst gewesen seien. Seine grundlegende Überzeugung geht zurück auf ein Distichon Schillers: "Sprache, die für dich dichtet und denkt" – Sprache tut etwas mit dem Menschen. "Sprache", so führt Klemperer aus, "dichtet und denkt nicht nur für mich, sie lenkt auch mein Gefühl, sie steuert mein ganzes seelisches Wesen, umso selbstverständlicher, je unbewußter ich mich ihr überlasse. Und wenn nun die […] Sprache aus giftigen Elementen gebildet oder zur Trägerin von Giftstoffen gemacht worden ist? Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da." (Klemperer, LTI, Leipzig 31975, S. 21)
Die Beobachtungen Klemperers bekommen an diesem Abend eine umso höhere Bedeutung, als unter den Zuhörerinnen und Zuhörern auch solche sind, die die Zeit der Nazi-Diktatur selbst miterlebt haben und denen die "Arsenhaltigkeit" der Sprache, der sie damals ausgesetzt waren, bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war. Andererseits regen Klemperers Worte dazu an, wachsam zu werden gegenüber möglicher 'Kontaminierung' unserer eigenen Sprache, der Sprache des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
16. Februar 2010:
Kurs 1: Sechster Studientag. Thema im Seminar ist Jan Vermeers Allegorie der Malkunst.
17. Februar 2010:
Kurs 2: Die Vorlesung behandelt u.a. karolingische Architektur. In der Übung steht die praktische Durchführung der Beschreibung mittelalterlicher Bauwerke im Mittelpunkt. Im Seminar wird zum Thema einer kunsthistorischen Methodik über "Stil" nachgedacht und dazu ein Text von Heinrich Wölfflin (aus: Kunstgeschichtliche Grundbegriffe) besprochen.
18. Februar 2010:
Die Kurzexkursion des Kurses 1 führt in die im 18. Jahrhundert errichtete Kirche St. Trudpert im Münstertal. Anschließend fährt der Kurs nach Sulzburg. Hier konstituiert sich die Arbeitsgemeinschaft St. Cyriak. Der "Förderverein St. Cyriak Sulzburg e.V." hat darum gebeten, dass sich die Studierenden der Victor-Klemperer-Akademie mit Malereien an der Südwand der 1000 Jahre alten Kirche befassen und die bisher in Teilen unbekannte Ikonographie klären. Zu diesem Zweck werden die Malereien ein erstes Mal in Augenschein genommen und erste Thesen und Vermutungen erarbeitet. Der zuständige Restaurator Raymond Bunz gibt einen kurzen Einblick in die Arbeit der vergangenen Monate (die Kirche ist nach Abschluss der Restaurierung der Gebäude-Hülle am 19. Dezember 2009 wieder geöffnet worden).
23. Februar 2010:
Kurs 1: Siebter Studientag. Die Vorlesung behandelt barocke Malerei der Niederlande – Rubens, van Dyck, Jordaens, Vermeer, van Ruisdael – und wendet sich dann Rembrandt zu. Thema des Referats im Seminar ist Berninis Verzückung der Hl. Teresa von Àvila.
24. Februar 2010:
Kurs 2: Vorlesung über die Architektur des 10. und 11. Jahrhunderts (ottonische Architektur), im Seminar stehen weiter Überlegungen zum Thema "Was ist Stil?" auf dem Programm, in der Übung beschreiben wir romanische Wandaufrisse.
2. März 2010:
Kurs 1: Achter Studientag. Von nun an bis zum Ende des Trimesters steht Rembrandt im Zentrum der Vorlesung. Referatthema im Seminar ist die Asamkirche (St. Johann Nepomuk) in München.
3. März 2010:
Kurs 2: Den achten Studientag verbringt der Kurs 'vor Ort': Besichtigung von Kirchen im Markgräflerland (Sulzburg, Betberg, St. Ilgen) und der Reste der römischen Bäder in Badenweiler. Abgeschlossen wird der Tag durch eine sachkundige Führung durch die Villa Urbana in Heitersheim vom Leiter des Museums, Herrn Manfred Schlegel.
4. März 2010:
Exkursion an den Bodensee: die Barockkirchen Birnau, Baitenhausen und die Klosterbauten in Salem stehen auf dem Programm.
9. März 2010:
Kurs 1: Neunter Studientag. In der Vorlesung geht es hauptsächlich um Rembrandt. Referatsthema im Seminar: Die Einschiffung nach Kythera von Antoine Watteau.
10. März 2010:
Kurs 2: Vorlesung weiter über ottonische Architektur.
16. März 2010:
Zehnter Studientag: Im Kurs 1 steht im Seminar das Bild Inspiration des Hl. Hieronymus von Johannes Liss im Mittelpunkt. In der Übung werden schon seit einigen Sitzungen wichtige Werke der Barockmalerei zwischen 1650 und 1750 thematisiert, heute beispielsweise Rembrandts Nachtwache. Auch das Medium der Zeichnung wird anhand von Beispielen aus Rembrandts Œuvre behandelt.
17. März 2010:
Kurs 2: Vorlesung über ottonische Buchmalerei, Skulptur und Goldschmiedekunst, u.a. die so genannte Bernwardinische Kunst in Niedersachsen/Hildesheim.
18. März 2010:
Treffen der Arbeitsgemeinschaft St. Cyriak in Sulzburg. Versuch der Klärung weiterer ikonographischer Fragen.
23. März 2010:
Mit dem elften Studientag schließen die Lehrveranstaltungen für den Kurs 1.
24.–26. März 2010:
Exkursion nach Aachen, u.a. mit einem Besuch der Schatzkammer des Aachener Doms, in der wir einer Reihe von Werken begegnen, die Thema der Lehrveranstaltungen waren. Anschließend 'Vertikalführung' durch das Aachener Münster: Der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit/PR des Domkapitels Aachen und begeisterte Kenner jedes einzelnen Steins des Münsters, Roland Wentzler, führt die Gruppe von den Fundamenten über die Emporen und den Westturm mit seinen "Heiligtumskapellen" bis in den Dachstuhl der Kirche, von dem aus man von oberhalb der Kuppel senkrecht in das Oktogon hinunter sehen kann – was allerdings nicht alle Teilnehmerinnen wagen (sieht dazu Fotos in der Bildergalerie).
29. März – 30. April:
Vorlesungsfreie Zeit
18. – 24. April:
Eine Gruppe von Studierenden unternimmt eine Reise nach Dresden, wo nach bewährtem Exkursionsmuster – einschließlich Referate – die Kunstgeschichte der Stadt erkundet wird.
